DE: Ein schwarzer Jaguar am Rio Tapiche Peru EN: A black jaguar at the Rio Tapiche in Peru

Ein schwarzer Jaguar am Rio Tapiche Peru

Chances for Nature am Amazonas

Im peruanischen Amazonasgebiet unterstützen wir eine extrem motivierte indigene Gemeinde, die sich dem Naturschutz verschrieben hat und ihr Territorium, ein intaktes Regenwaldgebiet (300 km²), nachhaltig schützen will. Im Gebiet leben zahlreiche bedrohte Tierarten (z.B. Riesenotter, Uakari, Jaguar, Flußdelfin, Manati). Gemeinsam wollen wir ein Schutzgebiet am Rio Tapiche schaffen.

Ein Schatz am Amazonas

Blick auf den Rio Tapiche

Blick auf den Rio Tapiche

Das Projektgebiet liegt etwa 120 km südöstlich der peruanischen Amazonasstadt Iquitos am Rio Tapiche.  Das Gebiet erstreckt sich über etwa 300 km² westlich und östlich des Tapiche. Der östliche Teil wird von einem kleinen Fluss, dem Torno, durchzogen. Um das Gebiet zu erreichen muss man zunächst von der Amazonasstadt Iquitos über Nacht mit einem der großen Amazonasdampfer in das kleine Urwaldstätdchen Requena fahren. Von dort aus geht es per Boot nochmals eine halbe Tagesreise den Rio Tapiche hinauf.

 

 

 

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Ein intaktes Ökosystem

Im Gegensatz zu vielen anderen nicht geschützten Gebieten im Amazonasgebiet ist der menschliche Einfluss hier noch sehr gering und der Wald weitgehend unberührt. Auf verhältnismäßig kleinem Areal bietet das Gebiet eine große Vielfalt an Lebensräumen. Nahezu alle wesentlichen Vegetationszonen des Amazonas-Tieflandes finden sich in diesem Gebiet.

 

 

IMG_3876 (2)Waldinseln auf weißem Sand

Das Gebiet umschließt verschiedenste Habitattypen, u.a. die sogenannten „Varillales“, eine besondere Waldform, die nur auf speziellen weißen Sandböden wächst. Aufgrund besonderer geologischer Formationen kommt sie nur in zwei Gebieten Perus vor und zeichnet sich durch einen hohen Anteil endemischer Arten (Arten, die nur dort vorkommen) aus. Deshalb wurde die gesamte Region am Rio Tapiche als „high priority area for conservation“ bezeichnet.

Eine Naturschutz-Konzession für den Rio Tapiche

Karte_20KonzessionGemeinsam mit der lokalen Bevölkerung haben wir beim peruanischen Staat die Nutzungsrechte für das einmalige Gebiet in Form einer Naturschutz-Konzession beantragt.

Bei Genehmigung der Konzession ist die Nutzung des Gebiets als Naturschutzgebiet für zunächst 40 Jahre festgelegt und kann dann verlängert werden. Für den Schutz und das Management des Gebiets sind dann die Halter der Konzession verantwortlich.

 

Eine einmalige Chance

Zur Erlangung der Konzession müssen wir einen detaillierten Nutzungs- und Finanzierungsplan für die ersten fünf Jahre beim peruanischen Staat einreichen. Dafür suchen wir Partner und Sponsoren, die gemeinsam mit unserem Verein und der lokalen Bevölkerung den Erhalt dieses einmaligen Regenwaldes sicherstellen wollen.
Wir treten mit der Beantragung der Naturschutzkonzession in direkte Konkurrenz mit kommerziellen Interessenten wie Holzfirmen, die das Gebiet gerne kommerziell als Forstkonzession zum Holzeinschlag nutzen würden. Dies wäre das Aus für viele Tier- und Pflanzenarten und würde die indigene Bevölkerung um den Reichtum ihrer Heimat bringen.

 

 Reserva Nacional Matses

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Der Rio Tapiche von oben – Foto: R.Hilgartner

Im Rücken der geplanten Konzession liegt ein wahrer Regenwald-Gigant: das 2009 gegründete Reservat Matses. 420.000 Hektar Regenwald, auf dem Papier geschützt, jedoch vor Ort offen für Wilderei und illegalen Holzeinschlag. Die 15 Ranger sind können das riesige Gebiet nur unzureichend schützen. Der Schlüssel zum Schutz liegt in den umliegenden besiedelten Gebieten. Die Konzession würde eine nachhaltige vom Menschen genutzte Pufferzone schaffen, die den menschlichen Druck von einer einzigartigen gewaltigen Wildnisregion nimmt.

Nachhaltige Waldnutzung (2014)

Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung entwickelte Kleinprojekte zur nachhaltigen Waldnutzung sollen alternative Einkommensmöglichkeiten schaffen und eine nachhaltige wie auch schonende Waldnutzung ermöglichen. Begonnen haben wir bereits mit einer Baumschule und der Ausarbeitung eines Managementplans für die Palme Irapay.

Baumschule

baumschuleAuf Anregung von Manolo Martin wurde im Dorf Buen Jesus mit der Einrichtung einer Baumschule begonnen. Von einem Forstingenieur aus Iquitos bekamen wir insgesamt 1.250 Samen wertvoller Bäume gestiftet. Die Bäume können nun von den Dorfbewohnern großgezogen und dann in der Umgebung des Dorfes angepflanzt werden.

Nachhaltige Nutzung der Palme „Irapay“

Ein Managementplan für die nachhaltige Bewirtschaftung der Palme Irapay, deren Blätter zum Bau der lokalen Behausungen traditionell benutzt werden, wurde erstellt. In vielen Gebieten übersteigt die Nachfrage mittlerweile das Angebot bei weitem. Zugleich ist  ist Palme in vielen Gegeneden aufgrund einer nicht nachhaltigen Nutzung bereits bedroht.
100_3205_WEBDie nachhaltige Nutzung der großen Irapay-Bestände des Projektgebiets kann relativ kurzfristig diesen Markt und damit Einnahmequellen für die lokale Bevölkerung erschliessen. Der Plan wurde 2014 zusammen mit verschiedenen Fortbildungen für die lokale Bevölkerung implementiert.
Das Projekt wurde von der Manfred Hermsen Stiftung mit 10 000 Euro unterstützt! Dafür herzlichen Dank!

Seekuh-Studie (Seit 2014)

Fast unbemerkt lebt in den trüben Gewässern Amazoniens eines der interessantesten und gleichzeitig geheimnisvollsten Säugetiere, die Amazonas-Seekuh oder -Manati (Trichechus inunguis). Leider ist völlig unbekannt, wie viele Tiere im Gebiet leben, wo sie sich bevorzugt aufhalten und ob eventuell sogar spezielle Plätze zur Aufzucht der Jungtiere aufgesucht werden.

Mit Mikrofonen auf der Spur der Manatis

Amazonas-Manati - Foto: M. Stojan

Amazonas-Manati – Foto: M. Stojan

Bevor weitere konkrete Maßnahmen zum Schutz und zur Erforschung dieser friedlichen Pflanzenfresser geplant werden können, müssen erste Daten über Bestandsgrößen, Aufenthalts- und Futtergebiete, sowie Wanderrouten erhoben werden.  Allerdings führt die Seekuh trotz ihrer Größe von über drei Metern ein fast unsichtbares Leben. Lediglich die hin und wieder auftauchenden Nasenlöcher verraten ihre Existenz. Daher ist für ihre Erforschung Kreativität gefragt! Ziel ist es, erstmals mittels Unterwassermikrofon die Tiere anhand ihrer Lautäußerung zu lokalisieren.

Die Methode wird zunächst an den Karibik-Manatis (Trichechus manatus) des Tiergartens Nürnberg erprobt werden. Dies wird dankenswerterweise vom Tiergarten mit Ausrüstung und Rat und Tat unterstützt.  Die Tiere werden mittels vorgespielter Seekuhlaute zum antworten provoziert. Die aufgenommenen Rufe werden dann analysiert, um möglicherweise sogar Individuen zu identifizieren. In Zukunft soll  die Methode im Freiland ausprobiert werden.

Säugetier-Inventur im Projektgebiet (2014)

Im Jahr 2014 wurde eine große Kamerafallen-Studie zur systematischen Erfassung des Landsäugetierbestandes im Projektgebiet durchgeführt. Wir wollten herausfinden welche Arten im Gebiet vertreten sind, wie häufig sie vorkommen und wo sie sich aufhalten. Die Ergebnisse werden direkt in die Planungen für das Naturschutzprojekt einfließen und Grundlage für ein langfristiges Monitoring-Programm bilden.

Mit Kamerafallen auf der Spur von Jaguar, Tapir und Co.

Das Deutsche Primatenzentrum Göttingen stellte dankenswerterweise 20 Kamerafallen mit Selbstauslöser als Dauerleihgabe zur Verfügung und finanzierte die ersten drei Monate der Studie. Die Studie wurde von Robert Behnke, einem Absolventen der Universität Wien, im Rahmen einer Masterarbeit durchgeführt.

Riesenotter-Studie (2013)

Ein wichtiger Anzeiger für einen intakten Lebensraum ist der Riesenotter (Pteronura brasiliensis). Mehrere Familien der großen Wassermarder lassen sich am Torno regelmäßig beobachten. Ein Projekt soll für ihren Schutz und eine sichere Zukunft sorgen.

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Auf der Spur der Flusswölfe

Im Juni 2013 führte die Biologin Ilka Tramm aus Kiel eine Studie zum Aufbau eines Monitoring- und Schutzprojektes für die stark gefährdeten Riesenotter durch. Dazu wurden die einzelnen Individuen und Gruppen sowie deren bevorzugte Aufenthaltsgebiete identifiziert. Die Identifizierung der einzelnen Individuen kann über die hellen Flecken am Hals der Otter erfolgen, die wie ein Fingerabdruck bei jedem Tier einzigartig sind. Es wurde eine Kartei angelegt, mit Hilfe derer die einzelnen Otter aufgenommen und wiedererkannt werden können (s. Abb. unten).
Chances for Nature unterstützte das Projekt mit Kamerafallen und einer wasserfesten Digitalkamera. Ebenfalls wurde auch eigens ein Boot mit geräuschlosem Elektromotor angeschafft, um die Otter nicht zu stören. Einheimische aus den umliegenden Dörfern wurden in das Projekt eingebunden, um sie für den Schutz dieser Tiere zu sensibilisieren.

Zusätzliche Aktivitäten am Rio Tapiche

Chances for Nature unterstützt die Menschen am Tapiche bei dem Vorhaben, das intakte Ökosystem ihrer Heimat nachhaltig zu schützen. Wir beteiligen uns an zahlreichen weiteren  Infrastruktur- und Artenschutzprojekten und begleiten den schwierigen Weg zur Gründung eines kommunal verwalteten Schutzgebiets.

Schutz vor Wilderern und illegalen Holzfällern

IMG_3849_20_282_29Chances for Nature finanziert den Bau von vier Wachposten an den Zugängen zum Projektgebiet. Sie ermöglichen es den Dorfbewohnern ihr Territorium vor den immer häufiger eindringenden Wild- und Holzdieben zu schützen.

Aufbau einer Forschungsstation

Eine neue biologische Forschungsstation erschliesst das einmalige Gebiet für Wissenschaftler. Die Station wurde 2013 erbaut und wird auch Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung bieten.

 

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Management von Arapaima und Gabelbart

Die im Projektgebiet noch zahlreich vorkommenden Arapaimas und Gabelbärte sollen nachhaltig gemanagt werden. Sie sollen zur Wiederansiedlung in Gebiete gebracht werden, die bereits überfischt wurden. Der Verkauf der wertvollen Fische wäre eine wichtige Einnahmequelle für die Dorfbewohner. Chances for Nature finanziert den Bau der entsprechenden Infrastruktur und die Anschaffung der notwendigen Ausrüstung.

 

webboot3P1020345Erwerb von Booten

Für alle Aktivitäten sind entsprechende Fortbewegungsmöglichkeiten unerlässlich. Eine schnelle Bootsverbindung zur kleinen Stadt Requena, sowie die Anschaffung kleinerer Boote und die Anlage eines einfachen Wegesystems zur Fortbewegung im Gebiet sind nötig. Für alle Boote zur Fortbewegung im Gebiet kommen hochwertige solarbetriebene Elektromotoren zum Einsatz, die einerseits emissionsfrei und anderseits nahezu geräuschlos sind. So werden Störungen für die Tierwelt vermieden.

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Umweltbildung

Begleitend dazu sollen Umweltbildungsmaßnahmen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, durchgeführt werden. Dazu soll eine Art Umweltboot regelmäßig die Dörfer der Region besuchen. Das Boot wird ausgestattet mit zahlreichen Informationsmaterialien, Spielen und evtl. Filmen zur Schaffung eines Bewusstseins für den Schutz des Waldes und seiner Bewohner und zum Aufzeigen von nachhaltigen Einkommensalternativen für die Bevölkerung. Außerdem soll es als Informationsplattform über die Aktivitäten und Fortschritte des Projektes dienen.

Das intakte Ökosystem mit seiner Vielzahl an Lebensräumen beherbergt tausende Tier- und Pflanzenarten. Hier lernen Sie einige besondere Bewohner des Projektgebiets näher kennen.

Riesenotter
Riesenotter - Foto: Maribel

Riesenotter – Foto: Maribel

Ein wichtiger Anzeiger für einen intakten Lebensraum ist der Riesenotter (Pteronura brasiliensis). Die großen Wassermarder sind extrem empfindlich gegenüber menschlichen Störungen und beanspruchen extrem große Territorien. Heute ist ihr gesamter Bestand in Südamerika auf weniger als 5000 Individuen zusammen- geschrumpft. Mehrere Otterfamilien lassen sich am Torno regelmäßig beobachten.

 


Amazonas-Manati
Amazonas-Manati - Foto: C. Matauschek

Amazonas-Manati – Foto: M. Stojan

Von den Bewohnern des Torno wird von der Existenz des Amazonas-Manatis (Trichechus inunguis) im Gebiet berichtet. Das Vorkommen von Manatipopulationen ist heute nur noch auf wenige entlegene Gebiete beschränkt. Über das Leben dieser charismatischen Tiere ist bislang kaum etwas bekannt.


 Primaten
Roter Uakari - Foto: M. Bowler

Roter Uakari – Foto: M. Bowler

Am Rio Tapiche kommen bis zu 18 Primatenformen vor. Das Gebiet beherbergt desweiteren eine der wenigen großen Populationen des Roten Uakaris (Cacajao calvus), einer bislang wenig erforschten Neuweltaffen-Art.


Flussdelphine
Flussdelphin - Foto: C. Matauschek

Flussdelphin – Foto: C. Matauschek

Auch beide Delfinarten sind im Tapiche und seinen Seitenarmen noch häufig anzutreffen. Der große Amazonasdelfin (Inia geoffroyensis) wird bis zu drei Meter lang.

Der kleinere Sotalia (Sotalia fluviatilis) lebt auch im Meer vor der südamerikanischen Atlantikküste und dringt weit bis in die Oberläufe des Amazonas vor. Auch diese Delfinart kann am Tapiche noch häufig beobachtet werden.

 


Urtümliche Fische
Arapaima - Foto: C- Matauschek

Arapaima – Foto: C. Matauschek

Der kleine Fluss Torno stellt eines der letzten Rückzugsgebiete für urtümliche Fischarten, wie den riesigen Arapaima (Arapaima gigas) oder den Gabelbart (Osteoglossum bicirrhosum) dar. Hier kommen diese Tiere noch in großer Zahl vor und finden geeignete und ungestörte Plätze zur Fortpflanzung vor. In den meisten Gebieten Amazoniens sind beide Arten schon stark überfischt.


 

Tiere in der Kamerafalle am Rio Tapiche