Chances for Nature in Madagaskar

Umweltbildung, Forschung und Entwicklungszusammenarbeit für den Erhalt der Biodiversität

Seit 88 Millionen Jahren isoliert vom Rest der Welt hat sich in Madagaskar eine unvergleichliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen entwickelt, die sonst nirgendwo auf der Welt zu bestaunen ist. Brandrodung, Abbau von Bodenschätzen, illegale Jagd auf bedrohte Tierarten oder illegaler Handel mit den Selbigen bedrohen die letzten natürlichen Lebensräume Madagaskars und  die einzigartige Flora & Fauna. Chances for Nature engagiert sich mit verschiedenen Projekten im Bereich Umweltbildung, nachhaltige Ressourcennutzung und Artenschutz.

Neues aus Madagaskar

Detaillierte Infos zu den Projekten

Umweltbildung und Sensibilisierung

Mobiles Umweltkino

Neue Techniken für die Landwirtschaft verbreiten. Den Menschen etwas über Ihr eigenes Land und die Natur vermitteln. Wie kann man das am einfachsten gleichzeitig für viele Menschen tun? Richtig. Mit Fernsehen. Aber was tun, wenn  niemand einen Fernseher hat, bzw. auch gar kein Strom für einen Fernseher vorhanden ist?

Environmental education and awareness in Madagascar

Mobiles Umweltkino

Die Lösung: Ein fahrradbetriebenes Kino. Ein Kino, welches nur durch Menschenkraft angetrieben wird und klein genug ist, um überall hin mitgenommen zu werden.

Seit 2014  verbreiten wir Wissen und sensibilisieren die Bevölkerung mit unserem mobilen Kino, verstärkt in der Region Menabe im Westen Madagaskars, aber auch in anderen Regionen der Insel. Thematisch behandeln wir dabei unterschiedliche Bereiche, und vermitteln z.B. ökologische Zusammenhänge, nachhaltige Techniken der Landwirtschaft, aber auch Themen wie Familienplanung und Müllverwertung.

Hazo tokana tsy mba ala! Ein Baum ist kein Wald

Ein Umweltbildungsfilm auf Madagassisch

Mit dem Start des Umwelt-Kinos in Madagaskar wurde ein Umweltfilm in der madagassischen Landessprache erstellt. Dieser zeigt verschiedene nachhaltige Techniken, wie zum Beispiel die Benutzung und Herstellung ökologischer Öfen oder die Aufzucht von Fischen in Reisfeldern. Die Beispiele werden von anderen Madagassen, die diese Techniken schon erfolgreich bei sich anwenden, demonstriert und so an die Bevölkerung weitergegeben. Darüber hinaus erklärt der Film die Einzigartigkeit der madagassischen Fauna und Flora in der Welt und ruft die Bevölkerung zum Umdenken auf. Der Film wurde 2013 komplett in der Landessprache Madagassisch gedreht. Der Name des Films „Hazo tokana tsy mba ala“ bedeutet wörtlich übersetzt „Ein Baum ist kein Wald“. Der Text ist ebenfalls ein madagassisches Sprichwort und bedeutet sinnbildlich „Nur zusammen sind wir stark und können etwas erreichen!“.


Bilderserie des Umweltkinos

 

Spielerisch den Wert der Natur an Kinder vermitteln

Ein Kartenspiel über die Tiere Madagaskars verbreitet viel Freude bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig lernen die Kindern die Tiere Madagaskars kennen, die so besonders für die Insel sind. Dies ist nicht selbstverständlich. Moderne Schulmaterialien und Lernspiele sind sehr selten in Madagaskar und viele Kinder in Madagaskar wissen sehr wenig über die einmalige Tierwelt ihrer Heimat. Wir suchen weitere Förderer für dieses Projekt, um die Auflage des Spiels zu erhöhen.

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Marinette Razafindrasoa erklärt den Unterschied zwischen den ökologischen (links) und traditionellen (rechts) Öfen. Foto: MM

Projekt: Ökologische Öfen

Aufbau von Kompetenzen

Die nachhaltigen Praktiken, die im Rahmen unserer Maßnahmen zur Umweltbildung und Bewusstseinsbildung angesprochen werden, wollen wir anschließend natürlich auch in der Bevölkerung praktisch verbreiten. Dies passiert in Rahmen von Workshops. Eine Thema welches wir dabei behandeln ist die Herstellung von ökologischen Öfen, genannt Fatana Mitsitsy. Diese Öfen sparen bis zu zwei Drittel an Holz oder Holzkohle gegenüber traditionellen Kochstellen. Da die meisten Haushalte in Madagaskar immer noch mit Holz oder Holzkohle kochen, leistet die Einführung solcher Öfen einen Beitrag zum Schutz der noch bestehenden Wälder. Leider sind Sie immer noch nicht flächendeckend verbreitet in Madagaskar. Das wollen wir ändern und machen Werbung für die Benutzung und Schulungen zur Herstellung dieser Öfen.


Was ist ein Fatana Mitsitsy
Fatana Mitsitsy

Links ein Fatana Mitsitsy, Rechts traditionelle Ofenvarianten

Fatana Mitsitsy bedeutet auf Deutsch sparsamer Ofen. Ein normaler Ofen in Madagaskar besteht entweder aus einem dünnen Blech oder auch nur aus drei Steinen zwischen denen ein Feuer angezündet wird. Fatana Mitsitsys haben eine isolierende Hülle und gleichzeitig eine effektivere Sauerstoffzufuhr. Dadurch verbrennt das Holz oder die Holzkohle langsamer und vollständig. Dies hat zwei Effekte. Zum einen spart man Brennmaterial bei jedem Kochvorgang. Zum anderen entsteht durch die vollständige Verbrennung bei geregelter Sauerstoffzufuhr deutlich weniger schädliches Kohlenmonoxid. Somit sind die Öfen gesünder und billiger für ihre Benutzer, zeitgleich besser für die Umwelt und gehen trotzdem mit der traditionellen Kochweise der Madagassen einher.


Fotos von den Workshops „Bau Ökologischer Ofen“

Verbesserte Geflügelzucht und Schutz vor Raubtieren

Traditionell werden die Hühner in Madagaskar weder regelmäßig mit Nahrung der Wasser noch medizinisch versorgt. Die Vorteile der  traditionellen Hühnerhaltung sind sehr überschaubar. Die Hühner wachsen nur langsam und sind regelmäßig von Krankheiten betroffen. Die Verbesserung der Geflügelzucht soll zu alternativen Einkommen für die Familien beitragen. Die Hühner können gleichzeitig als zusätzliche Proteinquelle dienen, um die Jagd auf bedrohte Arten in der Region zu verringern. Ein Workshop zur Geflügelzucht fand dazu im September 2016 statt, bei dem die Teilnehmer in moderner Hühnerhaltung unterrichtet wurden. Um die modernen Haltungsmethoden möglichst schnell und effektiv in die Praxis umzusetzen, wurde eine lokale Vereinigung namens „Fitaratra“ (Spiegel) gegründet. Mehrere Familien teilen sich nun zunächst einen neu erbauten Hühnerstall, der gleichzeitig guten Schutz vor Raubtieren, wie der Fossa, bietet. Chances for Nature unterstützt die junge Vereinigung bei der Umsetzung ihrer Ziele und Vorhaben.

Projekt: Fosa-Artenschutz

Konflikt zwischen Mensch und Fosa
Fosa

Fosa – Foto: MM

Die Fosa (syn. Fossa; Cryptoprocta ferox) ist das größte Raubtier Madagaskars. Das Zusammenleben der Schleichkatzen aus der Familie der Eupleridae und der Bevölkerung verläuft leider nicht immer ohne Probleme. Das natürliche Habitat der Fosa schwindet zunehmend und die Tiere gehen mehr und mehr auf die Suche nach leichter Beute in die Dörfer und jagen die Hühner der Dorfbewohner. Die Konsequenz ist, dass die Dorfbewohner die Fosa töten um ihre Hühner und Gänse zu schützen. Um dem Konflikt zwischen Tier und Mensch entgegenzuwirken, wollen wir den Dorfbewohnern helfen, geeignete Lösungen zu finden, den Konflikt zu entschärfen. Gleichzeitig sensibilisieren wir die Dorfbewohner für ein friedliches Zusammenleben mit der Fosa und vermitteln die ökologische Relevanz eines Fleischfresser für ein funktionierendes Ökosystem. In der Region Menabe ist die Fosa außerdem eine große Touristenattraktion und lockt daher jedes Jahr viele Besucher in die Region Menabe. Von den Touristen müssen langfristig aber auch die umliegenden Gemeinden profitieren, denn nur dann sehen sie einen Mehrwert darin, ihre Heimat mit der Fosa zu teilen.

Zusammen mit dem Fossa Fond des Zoo Duisburgs haben wir ein Projekt zum Schutz der Fosa gestartet, um den Konflikt zwischen den Raubtieren und den Menschen in Zentral-Menabe zu evaluieren und zu entschärfen.

Maßnahmen und Aktivitäten im Fosaprojekt sind:

  • Umweltbildung
  • Erfassung von Populationsdaten und Evaluierung des Konfliktpotentials
  • Experimente zur Abschreckung der Fosa von domestizierten Tieren
  • Habitatschutz
  • Verbesserung der Geflügelzucht

Bilder zum Fosaprojekt