Chances for Nature in Namibia

Unterstützung des Etosha Rand Lion Conservation Project

In den letzten Jahren haben Habitatverlust und direkte Bejagung zu einem dramatischen Bestandsrückgang Afrikanischer Löwen geführt.
Löwe im Etoscha Nationalpark, Namibia

Junges ausgewachsenes Löwenmännchen im Etoscha Nationalpark. Foto: Martina Trinkel

Zu den Hauptbedrohungen zählen inzwischen Konflikte mit Menschen, vor allem entlang der Grenzen zwischen geschützten und nicht geschützten Gebieten. Allein in Namibia wurden innerhalb der letzten 20 Jahre über 1000 Löwen getötet, in erster Linie durch Viehfarmer, aber auch durch die Betreiber kleiner Wildschutzgebiete, zu denen immer mehr Rinderfarmen umgewandelt werden. Auf Grund der unüberwindbaren Zäune, die die Löwen innerhalb der Reservats-Grenzen halten sollen, kommt es dort zu lokaler Überpopulation. Als Reaktion darauf werden die Tiere häufig sinnlos getötet, um die Bestände wieder zu dezimieren.
Das Ziel unseres Projektes ist, eine wissenschaftliche Basis für ein nachhaltigeres Löwenmanagement in Namibia zu schaffen, bei dem sich Löwen freier bewegen können, Überbevölkerung vermieden und das sinnlose Töten reduziert wird.

Unser Projekt befindet sich in einem Wildschutzgebiet, das direkt an den Etosha Nationalpark angrenzt. Dieser beherbergt die größte und wichtigste Löwenpopulation Namibias. Obwohl die Löwen innerhalb des Parks geschützt sind, sind Konflikte mit Menschen dort ein Hauptproblem, wo Etosha an umliegendes Farmland angrenzt. Hier werden jedes Jahr rund 40 Löwen geschossen oder vergiftet, was nicht nur die soziale und demographische Struktur der gesamten Löwenpopulation massiv stört, sondern auch dazu führt, dass einzelne Tiere extrem leiden und verwaiste Löwenjunge ohne jegliche Überlebenschance zurückgelassen werden.

Unser Projektgebiet befindet sich an den südlichen Grenzen des Etosha Nationalparks. Copyright: Marcel Quinten

Unser Projektgebiet befindet sich an den südlichen Grenzen des Etosha Nationalparks. Copyright: Marcel Quinten


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Unser Projektgebiet ist vom Etosha Nationalpark durch einen halb-durchlässigen Zaun und von umgebenden Viehfarmen durch einen Elektrozaun getrennt.

Das Reservat in dem wir arbeiten, ist vom Nationalpark durch einen halbdurchlässigen Zaun getrennt, durch den sich die Löwen (aber nicht deren Beutetiere) frei bewegen können und so als Teil eines wesentlich größeren Ökosystems fungieren. Halbdurchlässige Zäune bieten für das Löwen-Management im Gebiet, das an Etosha angrenzt, einige potentielle Vorteile, allerdings muss die Methode noch entsprechend getestet werden. Unser Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Betreibern lokaler Wildschutzgebiete eine Langzeit-Datenbank für Bewegungsmuster, Populationsstruktur, Dynamik und Ökologie von Löwen bei halbdurchlässiger Umzäunung zu schaffen. Indem wir zeigen, dass halbdurchlässige Umzäunung eine leicht umzusetzende Möglichkeit für das Löwen-Management in nicht geschützten Gebieten ist, hoffen wir, dass wir das Verbreitungsgebiet,

die Größe und die genetische Gesundheit von Etoshas Löwenpopulation steigern können und gleichzeitig andere Wildschutzgebiete dazu ermutigen, halbdurchlässige Umzäunung als nützliches Naturschutz- und Management-Werkzeug einzusetzen.

Etosha Heights Game Safaris und Moesamoeroep (kurz EHGS/M) ist ein 60 000 ha großes Wildtier-Reservat, das vom Etosha Nationalpark an seiner südlichen Grenze durch einen 70km langen halb-durchlässigen Zaun getrennt ist. Unser Projektgebiet ist ein Halbtrockengebiet, das sowohl Grasfluren als auch Wälder mit Colophospermum mopane und baum-und buschförmigen Akazienarten beinhaltet. Die Regenzeit dauert von Januar bis Mai, die Trockenzeit von Juni bis Dezember. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt etwa 350mm. Neben Löwen und anderen Raubtieren beheimatet es auch alle Arten von Steppenwild und vom Aussterben bedrohte Tierarten wie beispielsweise das Spitzmaulnashorn Diceros bicornis und die Rappenantilope Hippotragus niger.

Früher war EHGS/M ein Mosaik aus acht Rinderfarmen, die seit 1999 nach und nach in ein Wildschutzgebiet umgewandelt wurden. Obwohl noch immer große Teile des verbleibenden Landes an der südlichen Grenze von Etosha als Rinderfarmen genutzt werden, steigt das Interesse, diese Ländereien ebenfalls für Wildschutz-Zwecke umzuwandeln. Es ist also möglich, dass ein Großteil des Gebietes für Löwen und andere Tierarten zugänglich wird, was für Etosha und das für Löwen verfügbare Habitat in dieser Region eine beachtliche Erweiterung darstellen würde.

Ein Schlüsselziel unseres Projektes ist es, eine biologische Datenbank zu schaffen, um das effektive Management von Löwen in nicht geschützten Gebieten zu unterstützen. Zudem ist es uns wichtig, Einheimische in Wildökologie und Techniken zur Raubtier-Überwachung auszubilden und für die lokalen Gemeinden Anreize zu schaffen, mit Wildtieren und anderen Ressourcen nachhaltig umzugehen.

Kamerafalle, die am Stamm eines Akazienbaumes auf einer Höhe von ca. 2 Metern befestigt ist. Foto: Martina Trinkel

Kamerafalle, die am Stamm eines Akazienbaumes auf einer Höhe von ca. 2 Metern befestigt ist. Foto: Martina Trinkel

Hierbei arbeiten wir eng mit den Betreibern von Wildschutzgebieten und den Angestellten des Ethosha Nationalparks zusammen. Unser Projekt wird außerdem lokale Forschungs- und Naturschutzorganisationen vernetzen und einen politischen Rahmen schaffen, damit unsere Ergebnisse zu einem verbesserten Schutz von Löwen in Namibia beitragen.

Um unsere Freilanddaten zu Ökologie, Populationsstruktur, Dynamik und Bewegungsmustern im EHGS/M aufzunehmen, verwenden wir drei Hauptansätze:

Kamerafallen werden verwendet, um die Zusammensetzung der Rudel und die Gesamtanzahl der Löwen zu ermitteln. Die Kamerafallen werden strategisch an jedem der 35 Wasserlöcher auf einer festen Höhe von etwa 2m platziert. Alle paar Tage werden die Bilder heruntergeladen, katalogisiert und zu unserer Datenbank hinzugefügt. Die Kamerafallen helfen uns außerdem herauszufinden, welche Gebiete von Löwen genutzt werden und wo die günstigsten Orte für direkte Beobachtungen sind.

Martina beim Aufstellen einer Kamerafalle. Foto: Martina Trinkel

Martina beim Aufstellen einer Kamerafalle. Foto: Martina Trinkel

GPS Halsbänder senden via Satellit Signale, die an einen bestimmten Empfänger weitergeleitet werden. Dadurch können wir aus der Entfernung die Bewegungsmuster individueller Löwen überwachen. Momentan arbeiten wir mit privaten Tierärzten zusammen, um in jedem der 3-4 Rudel jeweils einen weiblichen Löwen mit einem Halsband auszustatten. Die Daten werden in eine passende Software, wie zum Beispiel ArcView heruntergeladen, wo wir dann Ausbreitung, Bewegungsmuster und Streifgebiete der Haupt-Rudel unseres Projektgebietes analysieren können. Vor allem werden wir Ausmaß und Muster von Landnutzung in EHGS/M und dem angrenzenden Etosha Nationalpark vergleichen.

Direkte Beobachtungen

Eine Gruppe Löwen tappt nachts in die Kamerafalle.

Eine Löwengruppe tappt nachts in die Kamerafalle.

Das Löwenrudel ist eine “fission-fusion” Gesellschaft. Das heißt, die Mitglieder eines Rudels sind nicht ständig zusammen, treffen sich aber regelmäßig. Durch direkte Beobachtungen möchten wir die Mitglieder aller Rudel identifizieren. Jeder Löwe wird dabei über die Musterung der Schnurrhaar-Flecken und natürliche Markierungen erkannt und das Alter durch Betrachtung der Zähne (zum Beispiel beim Gähnen) geschätzt. Einzelheiten jeder Sichtung [Datum, Uhrzeit, Identität des Löwen, Ort, Verfassung, Gesundheitszustand, Anzahl und Identität anderer Rudelmitglieder, reproduktiver Status (tragend, säugend) und Interaktionen mit anderen Löwen] werden in eine Löwen-Datenbank eingegeben. Jedes Individuum wird mit Hilfe von digitalen Fotografien katalogisiert.

Bewegungsmuster einer Löwin in unserem Projektgebiet, die während der Regenzeit (schwarze Punkte) und der Trockenzeit (rote Punkte) mit einem GPS Halsband ausgestattet wurde.

Bewegungsmuster einer Löwin in unserem Projektgebiet, die während der Regenzeit (schwarze Punkte) und der Trockenzeit (rote Punkte) mit einem GPS Halsband ausgestattet wurde.

Dr. Martina Trinkel im Projektgebiet

Dr. Martina Trinkel im Projektgebiet

Martina Trinkel arbeitet seit über 15 Jahren mit Tüpfelhyänen und Löwen im südlichen Afrika. In den letzten Jahren konzentrierte sie sich vor allem darauf, Lösungen für die Überpopulation und Inzucht von Löwen in kleinen Schutzgebieten in Südafrika sowie für den Konflikt zwischen Mensch und Löwe an den Grenzen des Etosha Nationalparks in Namibia zu finden. Zusammen mit Prof. Keith Hodges gründete sie das Etosha Rand Löwen Schutzprojekt.